Gedankensplitter



06/06/2019

«Warum würde eine Frau für ihn arbeiten wollen?»

«Warum würde eine Frau für ihn arbeiten wollen?» Mit diesem Satz wird die englische Oskarpreisträgerin Emma Thompson zitiert, nachdem sie der Firma gekündigt hatte, die einen in seiner früheren Stelle übergriffigen Mann als neuen Chef eingestellt hatte. Und sie konkretisiert: «Ich bin mir auch bewusst, dass es sehr unwahrscheinlich ist, dass sich die Dinge im nötigen Tempo ändern, um die Generation meiner Tochter zu schützen, wenn Leute wie ich (…) kein Zeichen setzen.» (BaZ 27.02.2019). Würde Emma Thompson einen Beruf in der Kirche ergreifen?

Im Februar erhält der seit Jahren die Kirche erschütternde Missbrauchsskandal eine neue Dimension. Papst Franziskus räumt den sexuellen Missbrauch von Nonnen durch Priester ein: «Ich weiss, dass Priester und auch Bischöfe das getan haben. Und ich glaube, es wird immer noch getan»

Im Dezember des letzten Jahres. sagt der Hildesheimer Bischof Heiner Wilmer: «Ich glaube, der Missbrauch von Macht steckt in der DNA der Kirche». Man könne das nicht mehr als peripher abtun, sondern müsse radikal umdenken. «Bisher aber fehlt es uns an jeglicher Idee, welche Konsequenzen das für die Theologie haben muss.»

Warum für diese Kirche arbeiten wollen?

Diese Frage stellt sich auch, weil die strukturellen Veränderungen phantasielos stagnieren und so das kirchliche Arbeitsfeld eher schwieriger wird. Ein Beispiel: Der Klerikalismus: Der geringer werdenden Zahl von Priestern steht in Europa eine steigende Zahl von Klerikern als Diakone gegenüber. Erstaunlicherweise geschieht dies nur auf der Nordhalbkugel, wo ca 40000 von 45000 Diakonen weltweit amten, keine 500 in Afrika! «Es gab also (…) Kirchen, die nicht den Bedarf sahen, den ständigen Diakonat zu entfalten. Das sind vor allem die Kirchen, die seit langer Zeit daran gewöhnt sind, ihre Aufgaben mit einer eingeschränkten Zahl von Priestern zu erfüllen und an das Engagement einer grossen Zahl von Laien … zu appellieren», schreibt Kardinal Gerhard Ludwig Müller bereits 2003.  Papst Franziskus wendet sich 2014 an Journalisten: «Sie sprachen über den Klerikalismus. Das ist eines der Übel der Kirche. Der Laie muss Laie sein, getauft, er hat die Kraft, die aus seiner Taufe kommt. Diener, aber mit seiner Berufung als Laie, und das ist nicht veräusserlich, nicht verhandelbar. Oft habe ich in meinem Heimatland gehört: »Wissen Sie, in meiner Pfarrei habe ich einen hervorragenden Laien … warum machen wir ihn nicht zum Diakon?« Das ist der Vorschlag des Priesters, sofort: klerikalisieren. Und warum? Weil der Diakon wichtiger ist als der Laie? Nein. Für mich verhindert der Klerikalismus das Wachstum des Laien. (va 22.3.14)

Doch trotz dieses Statements droht die Phantasielosigkeit bei den notwendigen Reformen eine neue Dimension zu erhalten: Die Zulassung von viri probati, von verheirateten Männern zum Priesteramt.  Diese Zulassung würde Frauen im kirchlichen Dienst weiter marginalisieren – eine Katastrophe, besonders, weil es eine breite Zahl von Gläubigen erst einmal als Fortschritt ansehen würden. In Wirklichkeit wäre es ein Desaster und einmal mehr die Zementierung der alten Machtstrukturen. Jegliche Struktur, jegliche Reform, die Frauen nicht im Blick hat, wird Berufungen von Männern und Frauen verhindern.

Thomas - 07:33:11 | Kommentar hinzufügen




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